
Pigeon Paradox
im Projektraum MeinBlau
15. April - 17. Mai 2026
kuratiert von Anne Hölck und Lale Willan
technische Leitung: Brendan Howell
Kaum andere Tiere polarisieren die öffentliche Meinung so stark wie Tauben. Als weißes Friedenssymbol werden sie mit Reinheit und Hoffnung verbunden, die grauen Stadttauben dagegen mit Schmutz, Störung und Krankheit. Die Ausstellung „Pigeon Paradox“ nimmt dieses ambivalente Verhältnis von Stadtmenschen und Tauben zum Ausgangspunkt und geht mit künstlerischen Arbeiten einer zentralen Frage nach: Welche menschlichen und nicht-menschlichen Interessen prägen Lebensweisen im geteilten urbanen Raum? Stadttauben stammen von entflogenen Haustauben ab, was ihre anhaltende Nähe zu menschlichen Lebensräumen erklärt. Paradoxerweise könnte der Schutz der biologischen Vielfalt künftig gerade in Städten erprobt werden, wo die Mehrheit von Menschen und Tauben lebt. Mit installativen, medialen, skulpturalen und konzeptuellen Arbeiten von Caroline Böttcher, Özcan Ertek, Anne Linke, Anne Hölck, Gerhard & Maja Marx, Lale Willan, Ticia Tanne lädt die Ausstellung dazu ein, die kulturellen Bedeutungen unserer Haltung gegenüber Tauben zu reflektieren und ihre bemerkenswerten sowie inspirierenden Fähigkeiten zu entdecken.
Gefördert vom Bezirksamt Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kunst und Kultur.

Die installative Arbeit „Schwarm“, entworfen von Lale Willan, integriert Projektionen künstlerische Werke von
Amber Skye Alcock, Bror Ida Lennartsson, Viviane Feitner, Abrie Fourie, Ella Ziegler, KyuHwa Lee, Rinat Voligamsi,
Helena Minginowicz + mit Tauben aus Berlin, Istanbul, Marburg, Hamburg, Pretoria, Johannesburg, Poznań u.v.m.


Anne Linke (Hamburg) ist Bildende Künstlerin und Fotografin, in ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit der Beziehung zwischen Tier, Mensch und Architektur mit dem Fokus auf bewusst und unbewusst geteilten Lebensräumen.
In ihrem Kurzfilm Pigeons and Architecture (2019) navigieren Tauben als gefiederte Architekt:innen durch den Stadtraum und die Architekturen, die gegen sie errichtet werden. Eine Frau ist ihre Komplizin.


Özcan Ertek (Berlin, Istanbul) ist Sound- und Medienkünstler, dessen Arbeiten die Schnittstellen von Klang, Skulptur und Bewegung untersuchen.
Seine kinetische Soundinstallation Birds on the Wire (2024) spekuliert darüber, wie Abwehrarchitektur von den durch sie betroffenen Spezies – den Tauben – gezähmt werden könnte und lädt Besucher:innen dazu ein, den Metallspitzen neue Klangfarben zu entlocken.


Ticia Tanne (Berlin) ist bildende Künstlerin, ihre Konzeptkunst orientiert sich an nachhaltigen und ressourcenschonenden Prinzipien wie pflanzlichen Farbpigmenten und Malmitteln. Die neue Werkreihe Columba Livia F. Domestica (2026) enstand als abstrakte Ölpastellkreidemalereien, die sich mit der Einzigartigkeit genetisch festgelegter Federfarben jeder einzelnen Taube auseinandersetzt.


Anne Hölck (Berlin) ist Szenografin, ihre künstlerischen Arbeiten im Forschungsfeld der Artistic Human-Animal Studies entstehen projektbezogen, häufig als Modelle. Die Prototypen (2026) ihrer Serie „Multispecies Scenographies“ entstanden nach realistischen Vorbildern aus menschlichen Wohnbereichen und schlagen Prototypen für die Inneneinrichtung eines zukünftigen Gemeinschaftshauses für Tauben und Menschen vor.


Maja Marx (Kapstadt, SA) ist abstrakte Malerin, Gerhard Marxs (Kapstadt, SA) künstlerische Arbeit umfasst Zeichnungen, Skulpturen und Performance-Projekte.
Ihre Origami-ähnlichen Taubenskulpturen Paper Pigeon (2009) aus lackierten Stahlblechen mit Sitzstangen für Taubenschwärme entstand für die lokale Gemeinschaft von Menschen und Tauben am Pigeon Square in Ferreirasdorp, Johannesburg, Südafrika.

Caroline Böttcher (Berlin) ist Medienkünstlerin, eine zentrale Rolle spielt in ihrer Arbeit das Erinnern und der Zugang zu Geschichte/n. Die multimediale Installation Lieber eine Taube auf dem Dach, als ein Spatz in der Hand (2025) zeigt Kunstwerke mit und für Tauben und setzt sich mit der langen Geschichte der Taube als eines der ältesten domestizierten Tiere auseinander.


Lale Willan (Berlin) arbeitet in ihren multimedialen Werken ökozentristisch und grenzt sich bewusst gegen Anthropozentrismus ab.
In Anlehnung an Donna Haraways Begriff der “Critter” entstand die interaktive Installation Kafig Symbionten (2026) aus ausrangierten Vogelkäfigen, die zu eigenständigen Akteuren werden. Die Arbeit ist von der speziellen Flügeltkinematik von Tauben inspiriert, die ihnen ermöglicht, senkrecht aus dem Stand zu starten.
Siehe auch : Kafig Symbionten

Artist Talk 17.05.26, 17h: Lisa James (Köln, Berlin) ist Medienkünstlerin und Autorin. Ihre Arbeiten mit einem Fokus auf Text, Installation oder (Bewegt)Bild befragen häufig Multispezies-Beziehungen. Dabei arbeitet sie themen- und recherchebasiert und greift auf Methoden der künstlerischen Forschung zurück. Für die auf schwarz-weissen Pointclouds basierende Spielumgebung ihres Videogames RETURNING TO PARADISE [AND SAYING FAREWELL] (2025), verbrachte sie eine einmonatige Forschungsphase in einem Garten mit Taubenschlag in Norfolk, England. Im Artist Talk an der Finissage der Ausstellung Pigeon Paradox gibt Lisa James einen performativen Einblick in ihre Recherchephase im Taubenschlag und die Entwicklung des Videogames. https://multispecies.studio/PROJECT-Returning-to-Paradise-and-saying-farewell